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Von Schloss zu Schloss im Stammertal


  im Zürcher Weinland


Unsere Wanderung beginnt beim Bahnhof Stammheim (S29, Bus 605). Von hier führt der Weg nordwärts dem Bahngeleise entlang. Es lohnt sich, einen kleinen Umweg durch Unterstammheim zu machen und dort eines der schönsten Gemeindehäuser im Kanton Zürich anzuschauen. Generell gehört die Gemeinde Stammheim mit den Ortsteilen Unterstammheim, Guntalingen, Waltalingen und Oberstammheim zu einem der schönsten Riegelbaudörfer der Nordschweiz. Zurück am Bahndamm passieren wir im Gebiet der Lucketen eine gut erhaltene alte Hochstammanlage mit Apfel- und Birnbäumen.

Nach der Bahnunterführung gehts durch die fruchtbare Ebene des Stammertales. Hier wird bei Bio-Rathgeb seit über 20 Jahren Biogemüse produziert. Von weitem zu sehen sind hohe Gerüste, im Sommer und Herbst mit Blattwerk umrankt: es sind Hopfengärten, ein weiteres typisches Merkmal des Stammertales. Hopfen ist eine schnell wachsende Pflanzengattung aus der Familie der Hanfgewächse zählt, dessen Dolden von den Bierbrauern verwendet werden. Sie verleihen dem Bier sein ausgeprägtes Aroma und seine typische Bitterkeit. Junge Hopfensprosse landen als delikate „Hopfenspargeln“ auch auf den Tellern von Feinschmeckern. Die innovative Hopfenbauer-Familie Reutimann, dessen Hof man in der Ferne sieht, produziert neben „Hopfentropfen“-Bier noch zahlreiche andere Produkte aus Hopfen.

 

Schloss Girsberg

Schon im Jahre 831 gelangte das Kloster St. Gallen in den Besitz von Gütern in Waltalingen ("Vualtiningum") und in Guntalingen ("Cuntheringum"). Das Schloss Girsberg wurde vermutlich im 13. Jahrhundert durch Gyr von Stammheim (urkundlich 1252 fassbar) erbaut. Seit 1253 nannte sich das Geschlecht konsequent von Girsberg. Nach dem Aussterben des Geschlechts im 14. Jahrhundert gelangte das Schloss an die Habsburger, welche die hohe Gerichtsbarkeit inne hatten. Kaum eine andere Burg der Region, ja der ganzen Ostschweiz, hatte in den letzten 600 Jahren so viele verschiedene Besitzer wie Girsberg. Vom 16. bis 18. Jahrhundert war das Schloss meistens im Besitz von Schaffhauser Patriziern. 1756 wurde die Burg durch ein Feuer zerstört. Nur der Wohnturm aus dem 13. Jahrhundert blieb von den Flammen verschont. Der damalige Besitzer, Johann Georg Friedrich im Thurn, liess das Schloss jedoch wieder herstellen. 1919 gelangte das Schloss an die Familie Bodmer. Eine vorbildliche Renovation wurde 1920/1921 durchgeführt. Girsberg befindet sich noch heute in deren Besitz.

 

Die Wanderung führt uns am Fuss von Schloss Girsberg vorbei Richtung Guntalingen. Das schöne Strassendorf mit zahlreichen Riegelbauten gehört zur politischen Gemeinde Stammheim. Weil der fruchtbare Boden kostbar war und nicht zersiedelt werden durfte, wurden die Dörfer eng zusammengebaut, die Häuser oft in Reihen entlang der Strasse.

 

Ausgangs Dorf zweigt der Weg links ab. Auf dem Höhenzug hat man einen schönen Ausblick auf die Dörfer im Stammertal und den Stammerberg mit seinen Reblagen. Der Weg führt unterhalb des Fasnachtsbucks vorbei. Hier wird das Fasnachtsfeuer der Guntalinger Jugend errichtet. Dieser traditionelle Anlass wird an der Bauernfasnacht, um den 25. Februar herum, gefeiert. Dann werden in den Dörfern des Stammertals die traditionellen Fasnachtsfeuer entfacht. Die Jugendlichen schichten in aufwändiger Arbeit kunstvolle Holztürme auf, darum bemüht, die anderen mit einem immer noch höheren Holzstoss zu übertrumpfen. Wie gross und eindrücklich die jährlichen Fasnachtsfeuer sind, lässt sich daran ermessen, dass ein Pilot, der das Gebiet zur Zeit der lodernden Feuer überflog, nach seiner Landung im Flughafen Zürich einen Hausbrand meldete ... Woher der Brauch mit den Fasnachtsfeuern stammt, ist ungewiss. Es wird vermutet, dass in vorchristlichen Zeiten damit die bösen Geister vertrieben wurden.

 

Der Weg führt weiter durch die Reblagen der „Sännhalde“ und Hinderegg, eingebettet in die Landschaft südwestlich des Egghölzlis. Schon erblickt man das stattliche Schloss Schwandegg, das mit seinem gemütlichen Restaurant zu einer Rast einlädt. Das im 13. Jahrhundert erbaute Schloss, damals noch eine Burg, liegt auf dem Hügel nordwestlich von Waltalingen. Nach 1218 wohnte hier Ritter Heinrich, ein habsburgerischer Ministerialer (Verwalter), als erster Vertreter des Geschlechts von Schwandegg. 1422 starb der letzte Ritter von Schwandegg, wonach auch diese Burg immer wieder den Besitzer wechselte. 1546 wurde „das fürnämist und best geheuss dieses schlösslins abgebrochen und die rietmüli davon erbouwen“. Der nächste Eigentümer liess das Schloss jedoch wieder aufbauen. Im 17. Jahrhundert befand es sich im Besitz der Familie Schmelz von Lindau, die ihr Vermögen während des Dreissigjährigen Krieges in die Schweiz geflüchtet hatte. Um 1640 wurde die düstere Burg in ein wohnliches Schloss umgebaut. 1879 kaufte Karl Fierz-Landis das Schloss, das er um 1890 der Stadtbürgergemeinde Zürich schenkte. Schwandegg ging bald wieder an einen privaten Käufer. 1933 fiel der westliche Teil des Schlosses einem Grossbrand zum Opfer und wurde 1935 wieder aufgebaut. Der letzte Schlossherr, Caspar Oswald, nahm Flüchtlinge und Behinderte auf. 1974 verkaufte er Schwandegg altershalber dem Kanton, der es restaurieren liess.

 

Der Abschluss der Wanderung ist unterhalb des Schlosses bei der Bushaltestelle im Dorf (Bus 605 nach Andelfingen oder Stammheim).

Wer – frisch gestärkt - Lust hat, kann durch die Ebene, vorbei an landwirtschaftlichen Kulturen, zum Bahnhof Stammheim (S29) zurückwandern. Dauer rund eine halbe Stunde. Wer genügend Zeit hat, kann sich über den Hopfenanbau beim bereits erwähnten „Hopfentropfen“ näher informieren. Der Weg führt direkt daran vorbei.

Dateien:
Von_Schloss_zu_Schloss.pdf (3,32 Mi)
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