Die Wirkungsmessung von regiosuisse zeigt, was im Zürcher Weinland entstanden ist.
Wie wird aus einem touristischen Angebot regionale Wertschöpfung? Und was bleibt, wenn ein Projekt abgeschlossen ist?
Diesen Fragen ist regiosuisse im Rahmen der Wirkungsmessung 2026 zur Neuen Regionalpolitik (NRP) - und Interreg-Projektennachgegangen. Im Fokus stand das NRP-Projekt "Branchenübergreifende Tourismusangebote" der Standortförderung Zürcher Weinland.
Die untersuchten Angebote entstanden beziehungsweise wurden zwischen 2020 und 2023 weiterentwickelt. Ziel war es, die touristischen Potenziale des Zürcher Weinlands besser zu nutzen, bestehende Angebote zu professionalisieren und gleichzeitig einen wirtschaftlichen Mehrwert für lokale Betriebe zu schaffen.
Vier Angebote – ein gemeinsames Ziel
Im Rahmen des Projekts wurden vier Angebote entwickelt oder professionalisiert:
Eine Velokarte mit zwölf Velowegen in der Region und mit Anbindung an den Regionalen Naturpark Schaffhausen
Die Weinwanderwege mit fünf Routen durch Reb- und Hopfenlandschaften und verschiedenen kulinarischen Stopps
Dabei ging es nicht nur um neue Ausflugsangebote. Entscheidend war die Zusammenarbeit verschiedener Akteure: Weinbaubetriebe, Gastronomie und lokales Gewerbe wurden in die Entwicklung einbezogen. So sollten neue Absatzmöglichkeiten entstehen und die Wertschöpfung möglichst in der Region bleiben.
Die Wirkung zeigt sich in den Besucherzahlen
Dass sich die Angebote weiterentwickelt haben, zeigen die Zahlen.
Bei den Mühlendorf-Führungen nahmen 2023 insgesamt 116 Personen teil. 2025 waren es bereits 340 Teilnehmende. Während der Projektlaufzeit fanden jährlich zwischen acht und 13 Führungen mit 116 bis 244 Teilnehmenden statt.
Noch deutlicher zeigt sich die Entwicklung bei den Weinwanderwegen: 2023 wurden 338 Personen verzeichnet, 2025 bereits 1'128. Auch 2026 bleibt die Nachfrage hoch: Per August 2026 wurden bereits 894 Personen gezählt.
Die Weinlandführungen erreichten während der untersuchten Projektlaufzeit zwischen 106 und 187 Teilnehmende. Bei der Velokarte wurden zwischen 2021 und 2023 insgesamt 5'685 Exemplare bestellt. Auch dies dient als Hinweis auf die regelmässige Nutzung der Velorouten.
Die Zahlen zeigen: Die Angebote sind nicht mit dem Ende der NRP-Förderung verschwunden. Sie werden weitergeführt, weiterentwickelt und auch weiterhin von Gästen genutzt.
Aus Angeboten entstehen neue Kooperationen
Eine wichtige Erkenntnis der Wirkungsmessung geht über die Besucherzahlen hinaus: Die eigentliche Wirkung liegt auch in den Kooperationen, die daraus entstanden sind.
Bei den Weinwanderwegen wurden die kulinarischen Begleitangebote gemeinsam mit lokalen Akteuren entwickelt und auf die Routen und Weindegustationen abgestimmt. Für Weinbaubetriebe entstanden dadurch neue Möglichkeiten, ihre Weine zu präsentieren und zusätzliche Kundinnen und Kunden zu erreichen. Auch Restaurants, Bäckereien, Metzgereien und Käsereien konnten Umsatz generieren und ihre Angebote einem neuen Publikum zeigen.
Aus den aufgebauten Netzwerken sind zudem neue Projekte entstanden. Ein Beispiel ist "Wein im Rebberg", das erstmals 2025 und erneut 2026 durchgeführt wurde. Zusätzlich wurde ein Weinwanderweg mit QR-Codes ergänzt, über die zusätzliche Informationen zur Region, zum Rebbau und zu den beteiligten Akteurinnen und Akteuren vermittelt werden.
Regionale Wertschöpfung entsteht durch Vernetzung
Genau darin sieht regiosuisse einen wesentlichen Beitrag des Projekts zur regionalen Wertschöpfung: Neue beziehungsweise weiterentwickelte Angebote verbessern den Absatz des lokalen Gewerbes. Gleichzeitig entstehen Einnahmen durch die Angebote selbst.
Die Wirkungsmessung zeigt zudem, dass die Zusammenarbeit über die eigentliche Projektlaufzeit hinaus Bestand hat. Neue Kooperationen wurden geschaffen und ermöglichen wiederum die Entwicklung weiterer Angebote.
Bemerkenswert ist dabei die breite Zusammenarbeit innerhalb des Weinlands. Die Kooperation zahlreicher lokaler Weinbaubetriebe war in dieser Form neu. Durch den gemeinsamen Austausch konnten Beziehungen gestärkt, Synergien genutzt und neue Kooperationen geschaffen werden.
Was bleibt nach der Förderung?
Die Wirkungsmessung kommt zu einem positiven Ergebnis: Die Projektresultate bestehen auch nach der Förderperiode. Die Angebote können grösstenteils kostendeckend betrieben werden, die notwendigen organisatorischen und personellen Kapazitäten sind vorhanden. Gleichzeitig ermöglicht die entstandene Zusammenarbeit den Aufbau neuer Angebote aus eigener Kraft.
Für die Standortförderung bedeutet das: Die Rolle endet nicht mit der Entwicklung eines einzelnen Angebots. Vielmehr geht es darum, Akteure zusammenzubringen, Kooperationen zu ermöglichen, Angebote sichtbar zu machen und deren Weiterentwicklung zu begleiten.
Die Wirkungsmessung bestätigt damit einen wichtigen Grundgedanken des Projekts: Regionale Wertschöpfung entsteht dort, wo touristische Angebote nicht isoliert gedacht werden, sondern verschiedene regionale Akteure miteinander verbinden.
Und wenn aus dieser Zusammenarbeit neue Angebote entstehen, die auch Jahre später noch genutzt und weiterentwickelt werden, reicht die Wirkung eines Projekts weit über seine ursprüngliche Laufzeit hinaus.